Pascal Mercier. Nachtzug nach Lissabon

Foto: J Paulo Mag, Unsplash

Ich trage den Namen Pascal Mercier schon so lange mit mir herum. Und wusste weder, dass dies ein Pseudonym ist und der Autor tatsächlich der Schweizer Philosoph Peter Bieri ist, noch, um was es geht im Nachtzug nach Lissabon. Ich habe diesen Titel immer mit bestimmten Assoziationen verbunden. Und weil meine Art und Weise, auf Autoren zuzugehen, eigenartig ist, kann es passieren, dass ich, wenn ich die Autoren, die jeweiligen Menschen und ihre Texte, konkret in den Blick nehme, dann kann sich herausstellen, dass sie ganz anders sind und das meine Schlagworte, unter denen ich sie abgelegt habe, gar nicht stimmen.

Pascal Mercier und sein Nachtzug nach Lissabon habe ich abgelegt mit den Schlagworten: Französischer Autor von Gegenwartsliteratur. Das Buch habe ich abgelegt unter: Geschichte, die mit einer großen Melancholie erzählt ist und die Hauptfigur zeigt sich als eine Bewahrer von altmodischen Werten. Teilweise stimmen die zugeordneten Schlagworte. Teilweise liege ich meilenweit daneben. Bei den zugeordneten Welten liege ich nicht vollkommen daneben. Was die Herkunft des Autors angeht, so habe ich mich vertan, viel deutlicher ist der Irrtum aber da, wo ich Bieri verorte, als Mensch. Ein Philosoph. Ein Autor, der in anderen (Gedanken)Welten aufwuchs. Und beim Lesen habe ich nun zwei vollkommen andere Autoren im Kopf und eine sehr vorläufiges zusätzliches Schlagwort. Ich denke beim Lesen immer wieder an Hermann Hesse und ich denke auch ein wenig an Umberto Eco. Dass Denken an Eco hat nichts mit dem Inhalt der Geschichte aus Nachtzug nach Lissabon zu tun, ich denke vielmehr an den Hintergrund beider Autoren. Natürlich war Eco zwar auch ein Philosoph, er war aber vor allem anderen ein sehr angesehener Semiotiker. Wofür ich ihn sehr liebe, nach wie vor. Und Hermann Hesse? Hesse hatte als Hauptfiguren oft Lehrer-, Meister- oder Schülerfiguren, die sich auf der Suche befanden und dabei oft in Welten zwischen Philosophie und Glaube eingetaucht sind. Und, und hier komme ich dem Attribut bzw. dem Schlagwort, dass ich sowohl bei Hesse als auch bei Mercier finde: Frauenfiguren, die schön sind, sonst aber in der Beschreibung blass bleiben. Vielleicht war Hesse da ein Kind seiner Zeit und auch der Welten, in die er sich hineinbegeben hat. Bei Bieri will ich noch nicht zu viel sagen, weil dies mein erstes Buch ist von ihm, aber möglicherweise ist die Herkunft aus einer vom Calvinismus geprägten Region mit konservativen Werten Grund für seine Haltung(en).

2026. Joni Mitchell. Musikliebe

Im alten Jahr hatte ich keine große (Musik)Liebe. Vielleicht war das das Jahr danach. In 2024 hatte ich Beyoncé für mich entdeckt. Was vor allem politisch war. Die Wahlen in den USA und ihr Titel Freedom, vom 2016er Album Lemonade. Danach kam ein großes Loch. Ich wollte mich mit Little Simz trösten und ihrem 2025er Album Lotus. Das hat aber nur zum Teil geklappt. Das Album und ich sind noch in der Beziehungsberatung. Und nun..

Joni Mitchell. Ich liebe ihre Musik. Es gab aber ein wenig Pause vom Folk-Himmel. Kein Davis Crosby. Kein Stephen Stills. Kein Graham Nash. Und nur ganz wenig Neil Young. Und eben auch nur wenig Joni Mitchell. Und dann passierte, was eben manchmal geschieht. Ich hatte tagelang You’re My Thrill im Kopf. Ich habe dann angefangen mit Both Sides Now. Und höre seitdem endlos ihre Musik. Offenbar ist es das, was ich gerade will und brauche. Gute Musik in schlechten Zeiten. Gute Musik heilt (immer).