Jung & Naiv. Folge 823. Ronan Steinke über Meinungsfreiheit, Verfassungsschutz und Völkermord

Heute starte ich in den Tag mit Jung & Naiv, Folge 823. Ronan Steinke spricht über die oben genannten Themen und schon in den ersten Minuten bleibt einem wirklich die Spucke weg. Ronan Steinke spricht da über den Verfassungsschutz. An sich erzählt er faktisch nichts Neues, aber wenn man sich dann nochmal anhört, wie der Verfassungsschutz ursprünglich aufgestellt war, wie sein Werdegang war über die Jahrzehnte bis heute, und wie gerade bürgerliche Innenminister diese Behörde, die es so nur in Deutschland gibt, für eigene Ziele ausnutzen, dann bekomme ich doch Schaum vor dem Mund.

Ich habe oben im Bild die Hörversion der Folge gezeigt. Natürlich kann man sich das Ganze auch auf Youtube anschauen und den Podcast kann man auch außerhalb von Spotify anhören, wie man so schön sagt, überall, wo es Podcasts gibt.

Claude Garamond. Notizen

In diesen Tagen lese ich Das Foucaultsche Pendel von Umberto Eco. Und darin stosse ich immer wieder auf den Namen Claude Garamont. Eco benutzt freilich nur den Namen. Aber, wer ist er? Hier ein Auszug aus der deutschen Wikipedia.

Claude Garamont (geboren zwischen 1490 und 1510, gestorben 1561 in Paris), heutige Schreibweise meist Claude Garamond, war ein in der französischen Hauptstadt ansässiger Stempelschneider und Schriftgestalter, der kurzzeitig auch als Buchdrucker und Verleger tätig war. Garamond war ein angesehener Graveur von Schriftmatrizen. Die auf ihn zurückgehenden Garamond-Schriften zählen bis heute zu den verbreitetsten Schriftarten. Darüber hinaus gelten sie als das Parademodell der französischen Renaissance-Antiqua. Typografiexperten sowie Fachhistoriker des 20. Jahrhunderts räumen Garamond in Bezug auf die Entwicklung der Druckschriften eine überragende Bedeutung ein.

Garamonds in den Besitz unterschiedlicher Stempelschneider und Schriftgießereien übergegangene Hinterlassenschaft löste im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Kontroversen aus bezüglich der Originalgetreue der noch vorhandenen Muster und Matrizen. Ungeachtet dessen erlebten Garamond-Schriften seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine bis heute anhaltende Renaissance. Ausdruck dieses anhaltenden Interesses sind die zahlreichen im Einsatz befindlichen Garamond-Computerschriften, wie beispielsweise die im klassischen Buchsatz weitverbreiteten Schriften Sabon, Stempel Garamond und Adobe Garamond.

Wikipedia: Claude Garamont

Vielen von uns ist die Schrifttype Garamond schon begegnet und auch wenn sie heute ein wenig sehr altmodisch daherkommt: ich habe dann trotzdem mal meine internen Dokumente verändert.

Leïla Slimani. All das zu verlieren

Leïla Slimani - All das zu verlieren
Leïla Slimani – All das zu verlieren

Leïla Slimani. All das zu verlieren. Ich las einfach drauf los. Und hielt mich ab, Fragen an mich zu stellen oder zu beantworten. Aber, worum geht es? Adèle arbeitet als Journalisten bei einer Pariser Tageszeitung. Sie ist verheiratet mit einem Chirurgen und hat einen Sohn. Adèle lebt dieses Leben, dass nach Außen wirkt wie ein glückliches Leben aber Adèle ist nicht glücklich. Sie trifft sich mit wildfremden Männern, ihr Leben droht ihr zu entgleisen. Sie kann nicht aufhören, kann oder will sich nicht einreihen in das vorgezeichnete Leben.

Nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, habe ich einige Tage über den Text nachgedacht und habe, was ich sonst niemals mache, andere Texte über das Buch gelesen. Da wird oft gemäkelt an der formalen Konstruktion des Textes, es würde an einigen Stellen nicht funktionieren. Für mich funktioniert der Text sehr gut. Seine Intensität und seine schonungslosen Beschreibungen haben mich überrascht. Slimani beschreibt eine Figur, die offen, selbst bestimmt und möglicherweise zu ihrem eigenen Schaden sexuelle Phantasien auslebt. Immer wieder. Und ohne Rücksicht auf Verluste. Adèle macht weder das Leben in den geordneten Bahnen ihrer Ehe, noch das Leben als Mutter glücklich. Sie ist getrieben. Aber auch die sexuellen Begegnungen machen sie fast nie glücklich oder wenigstens zufrieden. Es scheint, als rebelliere sie, begehre sie auf gegen die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Mir kam eine Textzeile aus einem Song in den Sinn: »I am nobody’s princess«. Der Track »Dreamers« stammt von Christina Aguilera’s Album Liberation. In dem Track kommen Mädchen zu Wort. Sie bringen vor, was sie im Leben erreichen wollen. Sie schreien: Selbstbestimmung! Wir wollen unser Schicksal selber bestimmen, ohne das andere Menschen Einfluss nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass Adèle das gefallen würde.

Für ihren zweiten Roman Chanson douce (auf Deutsch erschienen unter dem Namen Dann schlaf auch du) wurde Leïla Slimani 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Chanson douce wurde zudem auch verfilmt. Ich freue mich auf Chanson douce und alle Bücher danach.