Über das heutige Radio-Hören und über Podcasts

Bild: Viktor Forgacs, Unsplash

Podcasts hören. Radio hören. Und dabei auch die heutigen Möglichkeiten nutzen. In meinem Früher gab es das Internet noch nicht und damit auch nicht solche Sachen wie Mediatheken oder Streaming Dienste. Was es gab war: Radio. Wir hörten Dinge in dem Moment, in denen Sendungen oder Musik oder Worte gesendet wurden. Heute nennen wir das lineares Hören. Asynchrones, bzw. nicht lineares Hören, war nur möglich, wenn man Sendungen oder Musik aufnahm. Private Nutzung war damals geduldet, wenn auch damals schon nicht wirklich gewollt. Wir kauften Platten oder später CD’s. Wir stellten Mix-Tapes zusammen, also Musik oft unterschiedlicher Interpreten oder Bands und wir speicherten diese Musik auf Cassetten. Natürlich, nur der Form halber: Mix-Tapes hat das damals kein Mensch genannt. Ich will nicht behaupten, dass der Begriff nicht schon existiert hat, aber eine breite Nutzung hat definitiv nicht stattgefunden.

Wieso erzähle ich das so ausführlich? Es geht darum nachvollziehen zu können, wie groß die Veränderung zu heute ist. Heute kann ich Dinge anhören, ich kann streamen und dieses Streamen kann 1) jederzeit stattfinden und außerdem 2) von so vielen unterschiedlichen Geräten. In Autos hat man auch die Möglichkeit zu hören. Ich kann also zuhause anfangen damit, zum Beispiel das oben genannte Hörspiel anzuhören und dann muss ich los. Und wenn ich dann im Auto sitze oder im Zug, kann ich da weitermachen. Und ich kann zwischen dem Umsteigen von zu Hause in das Fortbewgungsmittel meiner Wahl, einfach auf Pause drücken. Früher waren diese Minuten unwiderbringlich verloren. Es ist ein solcher Luxus, diese Dinge jetzt, einfach so, genießen zu können.

Sherlock Holmes. Hörspielklassiker nach Sir Arthur Conan Doyle

Ich liebe Hörbücher. Und eigentlich mag ich es gar nicht, wenn Bücher bearbeitet sind. Ich ziehe komplette Lesungen Hörspielen vor. Und doch höre ich in diesen Tagen alte Hörspiele mit den Geschichten von Sherlock Holmes. Die Geschichten sind alte Hörspiele, die der Bayrische Rundfunk produziert hat. Diese alten Hörbücher befinden sich in der ARD Audiothek und, Achtung, sie sind nicht neu bearbeitet. Darin befinden sich also auch Meinungen und Haltungen, die man heute zurecht kritisiert und am besten so gar nicht mehr äußert und lebt. Man hält sich ein Dienstmädchen, es werden gemäß den damaligen Zeiten Haltungen geäußert, die daneben sind. Ich muss gestehen, ich habe trotz dieses Transportierens von Rassismen viel Spaß an diesen kleinen Hörspielen. Seit ich Antichristie gelesen habe von Mithu Sanyal, hoffe ich darauf, dass man diese alten Geschichten anhören und lesen kann und trotzdem seine Lektion gelernt hat und Menschen endlich gleich behandelt. Ich glaube auch, dass wir nicht fehlerlos sein müssen, dass wir uns aber in jeder Sekunde bemühen müssen und uns auch nicht allzu leicht selber verzeihen sollten, wo wir Fehler machen.

Also, hört rein und entscheidet selbst, ob diese Geschichten etwas sind für euch. Um nicht alleine zu sein mit den Gedanken, habe ich auf Antichristie aufmerksam gemacht. Lest den Beitrag und ihr versteht, was ich damit meine. Oder, noch besser, lest Antichristie von der fabelhaften Mithu Sanyal.

Die guten Dinge. Radio hören

Bild: Foto von Eric Napanen von Unsplash.

Schon seit langer Zeit beschäftigt mich der Gedanke, wie ich es schaffen kann, die Bubble meiner eigenen Gedankenwelten zu durchbrechen. Manchmal sind die eigenen Welten ein Schutzraum, ein Refugium, in dem (mir) nichts passieren kann. Andererseits kann aber genau dies nach meinem Empfinden zur Abschottung werden und u.a. auch die Bereitschaft mindern, sich auf neue Gedanken, neue Analysen, neue Ideen einzulassen. Ist es nicht genau dies, was Bubble tut? Wir fühlen uns wohl, aber gleichzeitig schotten wir uns ab. Natürlich ist das kein Automatismus. Es ist aber meiner Meinung nach eine Gefahr, die allzu oft unerkannt bleibt oder jedenfalls ohne Folgen für das eigene Tun.

Radiodays. Und hier kommt das Radio ins Spiel. Anders als bei Spotify oder auch anders als bei meinem privaten Audioplayer, liefert mir das Radio neue Gedanken. Dinge sind nicht gefiltert von meiner eigenen Wohlfühlpolizei, sondern ich höre von Dingen, die geschehen. Ich höre von Dingen, die falsch laufen. Ich höre aber auch von Dingen, die gut laufen durch neue Wege oder manchmal auch, weil man sich auf alte Wege, die gut funktionieren, zurückbesonnen hat. Wichtig für mich: Ich höre von neuen Perspektiven. Ich werde auf neue Namen aufmerksam. Ich erfahre von Problemen oder, was Menschen aus anderen Regionen beschäftigt. Natürlich höre ich nur davon, wenn ich gute Quellen aka gute Inhalteanbieter finde. Gatekeeping muss nicht schlecht sein, wenn die Keeper offen sind und berichten wollen. Quellensuche ist dabei natürlich das A und O.

Übrigens. Gute Quellen können neue Kanäle für Informationen sein. Gute Quellen können aber genausogut für gute Stille sorgen. Auch Stille (für die Seele) ist notwendig. Ich mag momentan z.B. sehr Through The Night von BBC Radio 3. Aber, da draußen sind sooooo viele Räume, die entdeckt werden wollen.