Ein Jahr wie ein Brummschädel. 2025.

Was war das? Bewegungen in die falsche Richtung. So viele falsche Richtungen. Und so viel Zustimmung dafür. Und so wenig Wissen und, nicht selten, große Lust, auf Basis von so viel Unwissen Meinung(en) zu entwickeln. Und Handeln. Nein, ich bin nicht schlauer. Nein, ich bin nicht besser. Ich bin allerdings nicht bereit, Erfahrungen zu ignorieren. Sündenböcke sind nicht Ursachen. Und die Erzählung um den richtigen Sündenbock löst kein einziges Problem.

Problemlösungen. Problemlösungen werden gerade gefühlt gar nicht mehr angeboten. Es geht, wie ich immer wieder in elaborierten Geschichten lese, um die Erzählung. Es geht also nicht mehr um eine faktenbasierte Analyse, um das Identifizieren von Problemen und darum, diese dann zu lösen, es besser zu machen. Nein, es geht um Erzählungen. Mit einer geschickten Erzählung abzulenken davon, dass über einen langen Zeitraum Probleme ignoriert wurden, dass wir schon viel zu lange akzeptieren, dass Zielgruppen bedient werden anstatt Politik für alle zu machen und Zukunft zu bauen. Stillstand als Erfolg zu verkaufen funktioniert aber nicht mehr.

Das kleine Glück zwischen den Buchdeckeln. Und in Gegenwart von Menschen zu sein, die Fühlen und Denken und sich gegen das Falsche stemmen. Was war also in diesen Jahr Glück? Glück war immer fühlbar, wenn ich mit Menschen war, die suchten und die Probleme nicht alleine erzählten, sondern die Lösungen aufzeigten und selber auch lebten. Das sind Menschen, die den Versuch, dass Leben besser zu machen nicht aufgegeben haben. Safe Spaces sind immer nur einen Gedanken weit weg, sind immer im nächsten Podcast oder zwischen Buchdeckeln und bei den Begegnungen mit denen, die zur gewählten Familie zählen. Danke. Vielen, vielen Dank!

Nikole Hannah-Jones und The New York Times Magazine. 1619

Nikole Hannah-Jones und The New York Times Magazine. 1619
Nikole Hannah-Jones und The New York Times Magazine. 1619

Es war ruhig hier. Oder? Oder nicht? Ja, es war ruhig. Und gleichzeitig war es in mir unruhig. Viel Privates. Viel Aufrüttelndes. Viel Verstörendes und kein Trost. Ich brauche Bücher. Ich brauche Gedanken, Neue und Alte. Ich möchte und ich muss mich beschäftigen, ich muss und möchte mich entwickeln.

Ganz schön viel ich. Es ist Zeit zurück zu treten hinter ein Werk, hinter eine Geschichte, gewoben aus unzählbar vielen Geschichten, entstanden durch das Leben so vieler. Nikole Hannah-Jones präsentiert einen Gegenentwurf. Nein, sie präsentiert die wirkliche Geschichte der USA. Wer hat den Erfolg der Pilgerväter möglich gemacht? Wer hat den Preis bezahlt? Ich nehme mir immer wieder vor: Wende Deinen Blick nicht auf die USA. Nehme Deine eigenen Geschichten wahr. Da gibt es so viel zu wenig oder vollkommen unerzählte Geschichte und Geschichten. Da gibt es so viele Blickwinkel. Und dann passiert mir die Begegnung mit einem Monolithen wie dem mit dem Titel 1619. Unfassbar viel zu lernen aber, viel mehr, unfassbar viele Chancen zu vervollständigen. Sich komplett machen. Raum geben. Sich selbst und seine weiße Sichtweise abschalten. Sich führen lassen. Und auf die Reise gehen durch Race und Class und all die anderen Weiten, die von den weißen Sichtweisen so großzügig übersehen werden. Immer wieder. Auch heute noch. Immer. Wieder. Schaut. Schaltet auf Empfang. Schickt Senden auf Urlaub.