Zukunft bauen

Foto von NASA auf Unsplash

Zukunft bauen. Was meine ich damit? Schon seit einigen Jahren beschäftigt mich, dass wir die großen Ziele in unserer Gesellschaft neu denken. Immer wieder begegnet es mir, dass große Projekte gar nicht oder schlecht umgesetzt werden. Und dabei ist mein Hauptaugenmerk nicht das aufgewendete Geld. Bei Infrastruktur muss man zwar natürlich auf die Kosten achten die entstehen aber ich denke, wenn ein großer Nutzen da ist, darf ein Projekt auch mehr kosten und sich nicht gleich rechnen.

Ich habe den Eindruck, dass wir verlernt haben, große Dinge zu denken und auch durchzuhalten. Immer wieder werden Projekte zerredet oder sie werden durch Einfluß von Interessengruppen bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Nicht selten lassen wir Bürger uns allzu leicht von scheinbar kritischen Argumenten blenden und entziehen Projekten, die uns allen dienen, das Vertrauen. Das große Ganze denken bedeutet aber eben auch, durchzuhalten in einer Unterstützung und manchmal, wenn nötig, auch Druck aufzubauen, damit Projekte nicht den eigentlichen Sinn verlieren. Nehmen wir den Verkehr oder besser die Mobilität. Es entspringt nicht einfach meiner persönlichen Meinung, dass wir im großen Ausmaß weg müssen von individuellen kleinen Mobilitätseinheiten = Autos. Wichtig wird sein, eine sehr gute öffentliche Mobilitätsinfrastruktur zu haben und dabei geht es nicht nur um den Transport von uns Menschen, es geht auch um den Transport von Waren. Zukunft bauen weiterlesen

Shida Bazyar. Drei Kameradinnen

Ein Buch über Freundschaft, tiefer Verbundenheit und eben, Kameradinnenschaft. Wucht. Trotz. Verletztheit über eine Mehrheitsgesellschaft, die aberkennt, die wegschaut, die anders macht und wo Teile der Gesellschaft sogar morden. Und, nein, das ist keine „Migranten-Literatur“. Das ist kraftvolle, zornige, wortgewaltige deutsche Literatur. In jeder Zeile dieses wundervollen Buches ist die Liebe der Autorin für ihre Protagonistinnen zu spüren. Und ich liebe dieses Buch sehr.

Wundervoll eingelesen von Banafshe Hourmazdi.

Selma Wels (Hg.). anders bleiben. Briefe der Hoffnung in verhärteten Zeiten

Es ist schwer optimistisch zu sein in diesen Zeiten. Mag sein, dass wenn diese Zeilen von anderen gelesen werden, dass Leser das anders sehen. Mein Alltag ist geprägt von Gedanken über das Zusammenleben in Deutschland. Wir stehen kurz vor dem 19.02.. Dann jährt sich der Anschlag von Hanau erneut. Der Vater des Täters bedroht, so konnte man es erst in den letzten Wochen wieder lesen, die Hinterbliebenen, er nähert sich den Räumlichkeiten der Bildungsinitiative Ferhat Unvar. Er darf das nicht, tut es aber trotzdem. Von Polizei und Staatsanwaltschaft hört man darüber Statements, bei denen ich das Achseln-Zucken geradezu sehen kann. Wie kann das sein? Ich könnte jetzt weitermachen mit der Nennung unzähliger rassistischer Übergriffe und mehr. Und ich sehe, wenn ich U-Bahn oder S-Bahn fahre, was Alltags-Rassismus ist.

Entschlossenheit. Mut. Kompetenz

In diesen Tagen lese ich viel. Bücher sind meine ganz persönliche Schutzzone. Gerade hat Selma Wels anders bleiben herausgebracht. Darin schreiben viele Autor*innen Briefe. Diese Briefe sind bewegend, sie sind unsagbar einfühlsam, sie rütteln auf, sind aber vor allem geprägt von einer unerhörten Kraft, von Wissen, vom Willen sich den Platz im Leben, den sich jeder Einzelne erkämft hat, zu verteidigen. Eine Generation steht auf den Schultern ihrer Eltern, Onkels, Tanten, Großeltern und sie stehen auf den Schultern ihrer Herkunfs-Kulturen. Allen gemein sind Geschichten vom Ankommen, es sind Geschichten vom Hier-Sein, es sind Geschichten vom Hier-Geboren-Sein-Und-Doch-Nicht-Akzeptiert-Sein, es sind aber vor allem Geschichten vom stoischen und hartnäckigen Bauen an Zukunft, es sind Geschichten vom Verwurzeln und es sind Geschichten davon, dass Wurzeln sich weit verbreiten können, nicht selten über Erdteile hinweg. Die Briefe strahlen förmlich Wort für Wort, Gedanke für Gedanke und ich lese sie und finde dort die Zukunft, von der ich schon so lange träume. Zusammen Leben. Unterschiede als das sehen was sie sind: Eine große, unfassbare Stärke.

Und eben weil wir auf den Jahrestag des Anschlages von Hanau zugehen und weil jeder Tag ein Tag des Dran-Denkens ist, #saytheirnames:

Said Nesar Hashemi
Hamza Kenan Kurtović
Ferhat Unvar
Sedat Gürbüz
Fatih Saraçoğlu
Gökhan Gültekin
Vili Viorel Păun
Mercedes Kierpacz
Kaloyan Velkov