Leïla Slimani. All das zu verlieren

Leïla Slimani - All das zu verlieren
Leïla Slimani – All das zu verlieren

Leïla Slimani. All das zu verlieren. Ich las einfach drauf los. Und hielt mich ab, Fragen an mich zu stellen oder zu beantworten. Aber, worum geht es? Adèle arbeitet als Journalisten bei einer Pariser Tageszeitung. Sie ist verheiratet mit einem Chirurgen und hat einen Sohn. Adèle lebt dieses Leben, dass nach Außen wirkt wie ein glückliches Leben aber Adèle ist nicht glücklich. Sie trifft sich mit wildfremden Männern, ihr Leben droht ihr zu entgleisen. Sie kann nicht aufhören, kann oder will sich nicht einreihen in das vorgezeichnete Leben.

Nachdem ich das Buch ausgelesen hatte, habe ich einige Tage über den Text nachgedacht und habe, was ich sonst niemals mache, andere Texte über das Buch gelesen. Da wird oft gemäkelt an der formalen Konstruktion des Textes, es würde an einigen Stellen nicht funktionieren. Für mich funktioniert der Text sehr gut. Seine Intensität und seine schonungslosen Beschreibungen haben mich überrascht. Slimani beschreibt eine Figur, die offen, selbst bestimmt und möglicherweise zu ihrem eigenen Schaden sexuelle Phantasien auslebt. Immer wieder. Und ohne Rücksicht auf Verluste. Adèle macht weder das Leben in den geordneten Bahnen ihrer Ehe, noch das Leben als Mutter glücklich. Sie ist getrieben. Aber auch die sexuellen Begegnungen machen sie fast nie glücklich oder wenigstens zufrieden. Es scheint, als rebelliere sie, begehre sie auf gegen die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Mir kam eine Textzeile aus einem Song in den Sinn: »I am nobody’s princess«. Der Track »Dreamers« stammt von Christina Aguilera’s Album Liberation. In dem Track kommen Mädchen zu Wort. Sie bringen vor, was sie im Leben erreichen wollen. Sie schreien: Selbstbestimmung! Wir wollen unser Schicksal selber bestimmen, ohne das andere Menschen Einfluss nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass Adèle das gefallen würde.

Für ihren zweiten Roman Chanson douce (auf Deutsch erschienen unter dem Namen Dann schlaf auch du) wurde Leïla Slimani 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Chanson douce wurde zudem auch verfilmt. Ich freue mich auf Chanson douce und alle Bücher danach.

Veröffentlicht von

Markus

Kein Neuanfang. Ein immer wieder Neuanfang. Nein, ich habe keine smarte Definition. Das hier hieß mal anders, davor hieß es nochmal anders und davor wars leidlich erfolgreich. Ich habs kaputt gemacht und zwar mit voller Absicht. Will ich keine Leser? Doch! Nein. Hm, das ist schwierig. Ich will die Richtigen. War gar nicht so schwierig, oder? Kann aber eben auch nur ich wirklich verstehen. Oder vielleicht verstehe ich es auch gar nicht so richtig. Fazit: Wenn es euch gefällt ist doch alles gut, oder?

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